Podiumsdiskussion zur Wahl

Sieben für Seevetal: Bürgermeisterkandidaten stellen sich Erstwählern vor

10 Kreuze dürfen alle Seevetaler, die über 16 Jahre alt sind, am Sonntag auf vier Bögen machen, drei für die Wahl des Ortsrats, drei für den Gemeinderat, drei für den Kreistag und – vielleicht der wichtigste Wahlzettel – ein Kreuz für die Wahl des Bürgermeisters der Gemeinde Seevetal. Das will vorbereitet sein, dachten sich Schulleitung und Fachschaft Politik am Gymnasium und luden die Bewerber um dieses attraktive Amt ins Forum des Gymnasiums Meckelfeld, um den Schülerinnen und Schülern. Es war die erste öffentliche Veranstaltung in der Schule seit der Corona-Pandemie.

Am Mittwochmorgen, vier Tage vor der Kommunalwahl in Niedersachsen, wurden Emily Weede (CDU), Manfred Eertmoed (SPD), Thilo Bock (Die Grünen), Jens Schnügger (FDP), Henning Schwieger (AfD), Timo Röntsch (Freie Wähler) und Tim Färber (parteilos) vom neuen Schulleiter Herrn Lakämper begrüßt und aufgefordert, sich nicht nur der Schülerschaft der 11. Klassen vorzustellen, sondern auch das Buch, das sie aktuell lesen, zu nennen. Die Kandidaten präsentierten sich gut vorbereitet und nun konnten Jule Strietzel und Alissa Ishaq die Moderationsrolle übernehmen. Jeweils gezielt an einen Kandidaten gerichtet, erbaten sie Klärung hinsichtlich Renovierung und Digitalisierungsplänen für die Schule, Politik für Kinder und Jugend, Familien, Verkehr und Klima. Souverän gelang es den beiden Elftklässlerinnen, die Wahlkampfrivalen auf ihr Zeitbudget und die begrenzte Möglichkeit zur Gegenrede hinzuweisen. Eine Ja-/Nein-Frage durften die Bewerber an ihr junge Wähler richten: Eine rote Karte zeigten die Schülerschaft dabei sowohl dem Freizeitangebot in der Gemeinde als auch den Informationen, die Unternehmen ihnen hinsichtlich Berufschancen bieten. Eine grüne Karte zeigten die meisten auf die Frage nach ihrer Zufriedenheit mit der Schulsituation und ihrer Bereitschaft zum politischen Engagement.

Als Schwerpunkt der Diskussion stellten sich die Themen Verkehr und Energie bzw. Klimaschutz heraus. Während der AfD-Kandidat weiterhin auch auf Kohle- und Atomenergie setzt, ging es den anderen Kandidaten um den richtigen Mix und insbesondere um gemeindeorientierte Energieerzeugung in der Klimapolitik in Bürger-Wind- und Solarunternehmen. Während Frau Weede zur pragmatischen Nutzung aller regenerativen Energieformen rät, wann immer es geboten erscheint, lag der Fokus von Herrn Bock auf Selbstverpflichtungen per Bürgerbegehren zur Solarnutzung auf öffentlichen Gebäuden und Neubauten; Manfred Eertmoed wiederum sah einen tauglichen Finanzierungsweg in einer Bürgerenergiegenossenschaft, die auch Häuslebauern zur Solarnutzung verhelfen könnten, indem sie deren Dächer dafür anmietet. 

Auch beim brisanten Thema „Wohnen“ sahen sowohl der Kandidat der SPD als auch Timo Röntsch einen gangbaren Weg in kommunalen Wohnungsbaugesellschaften und einem Engagement der Gemeinde weit über die Flächenvermarktung hinaus. Geschosswohnungsbau sei nach FDP-Meinung zu vermeiden und engagierten Bürgern sei bei der Vergabe auch mal der Vorzug zu geben. Während Jens Schnügger Angebote für ältere Menschen schaffen wollte, die ihre Einfamilienhäuser im Gegenzug am Wohnungsmarkt für junge Familien anbieten, war Emily Weede darum besorgt, wie stark die Umnutzung von Familienwohnraum für Monteurs- und Ferienwohnungen durch Subunternehmer zunimmt. 

Beim Thema „Verkehr“ war man sich einig, dass die Idee einer Schnellfahrtrasse der Bahn neben der A7 nur den Metropolenpendlern aus Hamburg zu Gute kommen würde, unserer Region aber schaden. Einig war man sich hinsichtlich besserer ÖPNV-Querverbindungen mittels Kleinbussen im Rahmen einer allgemeinen Verbesserung des schienengebundenen ÖPNVs, z.B. einer Haltestelle zwischen Ramelsloh und Horst (CDU) oder mehr Fahrradstellplätzen am Bahnhof (Die Grünen).  Bei der E-Mobilität sahen war alle Kandidaten die Gemeinde in der Pflicht, an einem Ladesäulenkonzept mitzuwirken, bei der Umstellung von Fahrzeugen in kommunaler Nutzung allerdings fanden E-Fuels (flüssiger Kraftstoff gewonnen mit Hilfe von regenerativer Elektrizität) auch Fürsprecher bei den CDU- und FDP-Kandidaten. Thilo Bock sprach sich für kommunale Sharing-Angebote auch im Bereich von Lasten- und E-Fahrrädern aus.

Die abschließende Frage danach, mit welchem anderen Kandidaten man im Team gern arbeiten würde, führte zu überraschenden Paarungen, u.a. zwischen schwarz-grün und rot-gelb. 

Herr Lakämper zeigte sich in seinem Schlusswort sichtlich angetan von der kompetenten Vorbereitung durch die Politik-Fachschaft sowie vom 11. Jahrgang, der sehr konzentriert die Diskussion verfolgt hatte. Noch ein, zwei Stunden lang diskutierten eine Reihe von Schülerinnen und Schüler im Forum des Gymnasiums mit ihren Bürgermeisterkandidaten. Von Politikverdrossenheit keine Spur!